Antimikrobielle Resistenzen (AMR) sind eine globale Herausforderung, von der Mensch, Tier und Umwelt gleichermaßen betroffen sind. Um wirksame Lösungen zu finden, ist eine enge, fächerübergreifende Zusammenarbeit unerlässlich. Dies unterstreichen zwei wichtige Veranstaltungen am ATB: die 11. Vollversammlung des Leibniz-Forschungsverbunds INFECTIONS und das Kick-off zum Projektstart des neuen Forschungsnetzwerks AiRisk. Beide widmen sich den drängenden Fragen: Wie verbreiten sich resistente Keime und Krankheitserreger, und was können wir dagegen tun?
Insbesondere in der Nutztierhaltung, wo viele Tiere auf engem Raum zusammenleben und häufig Antibiotika eingesetzt werden, können sich resistente Keime leichter entwickeln und ausbreiten. Die Wege, auf denen diese Erreger von Tieren auf die Umwelt und schließlich auf den Menschen übergehen, sind komplex und noch nicht vollständig verstanden. Hier setzt die Forschung an, um Wissenslücken zu schließen und effektive Gegenmaßnahmen zu entwickeln, ganz im Sinne des One-Health-Ansatzes, der die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt als Einheit betrachtet.
Leibniz-Forschungsverbund INFECTIONS tagt am ATB
Am 15. und 16. April 2026 kamen die Mitglieder des Leibniz-Forschungsverbunds INFECTIONS zu ihrer 11. Vollversammlung am ATB zusammen. Anderthalb Tage lang stand der intensive Austausch von 19 Instituten über sieben interdisziplinäre Forschungsprojekte im Mittelpunkt. Insbesondere die Promovierenden des Verbunds erhielten eine große Bühne, um ihre Arbeiten zu präsentieren und wertvolles Feedback von etablierten Wissenschaftler*innen zu erhalten. Ein zentraler Moment der Versammlung war die Übergabe der Sprecherrolle von Professor Ulrich Schaible an Professor Thomas Gutsmann, der den Verbund nun in die Zukunft führen wird.
Neues Projekt AiRisk gestartet: Staub als Übertragungsweg im Visier
Einen Tag vor der Vollversammlung von Leibniz INFECTIONS fand am ATB das Kick-Off des Projekts AiRisk statt. Das Projekt rückt einen bislang unterschätzten Übertragungsweg für Krankheitserreger und AMR in den Fokus: Staub. Die Forschenden gehen in Projekt der Frage nach, ob und in welchem Ausmaß Staubpartikel eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung von antibiotikaresistenten Bakterien und Zoonose-Erregern aus der Landwirtschaft spielen. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Staub die Überlebensfähigkeit von Bakterien in der Luft erhöht und die Empfindlichkeit gegenüber Desinfektionsmitteln verringert. Im Projekt analysieren die Forschenden daher Bioaerosole in und um Schweineställe, um die daran haftenden Bakterien und Resistenzgene zu bestimmen. Ziel ist eine umfassende Risikoanalyse, die als Grundlage für gezielte Interventionsstrategien dient.
Wir freuen uns, Gastgeber für diese beiden wichtigen Veranstaltungen gewesen zu sein. Wir blicken gespannt auf die weitere Zusammenarbeit zu diesem wichtigen Thema.
Hintergrund
AiRisk: Netzwerk zum Infektionsrisiko durch Luftübertragung
Die genauen Mechanismen, wie Krankheits- und Zoonose-Erreger auf Menschen, Tiere und Pflanzen übertragen werden, sind noch nicht ausreichen verstanden. AiRisk zielt darauf ab, diese Wissenslücke zu schließen, indem ein neuartiger Verbreitungsweg ins Visier genommen wird: Staub. Staub bildet eine interessante Verbindung zwischen den Bereichen von One-Health und erleichtert die Übertragung von antibiotikaresistenten (AMR) Bakterien und Zoonose-Erregern aus der Landwirtschaft in die Umwelt, auf Wildtiere und den Menschen.#
Koordination: Robert Koch Institut (RKI)
Laufzeit: voraussichtlich April 2026 – März 2031
Fördermittelgeber: Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen des Förderprogramms „Pandemieprävention und -reaktion im Rahmen eines One-Health-Ansatzes“.
Projektträger: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Leibniz-Verbund INFECTIONS
Der Leibniz-Forschungsverbund INFECTIONS wurde 2015 mit dem Ziel gegründet, wichtige Fragen der Infektionsforschung zu beantworten. Dazu wurde ein multidisziplinäres Konsortium aus aktuell 16 Leibniz-Instituten und 3 externen wissenschaftlichen Partnern aufgebaut. Im Fokus der fächerübergreifenden Verbundforschung stehen antimikrobielle Resistenzen.
https://leibnizinfections.de/
ATB
Das Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) erforscht und entwickelt systemisch-technische Lösungen für eine nachhaltige Transformation von Agrar-, Energie- und Ernährungssystemen. Im Fokus stehen praxistaugliche Innovationen, die ökologische Wirkung, wirtschaftliche Tragfähigkeit und gesellschaftliche Anforderungen zusammenführen.
Das ATB forscht im engen Austausch mit landwirtschaftlicher Praxis, Industrie und politischen Entscheidungsträgern – erkenntnismotiviert und anwendungsinspiriert.
www.atb-potsdam.de