Intelligente Verpackungskonzepte

Foto: Manuel Gutjahr/ATB

Verpackungen neu denken.

Hin zu systemweiten Lösungen und weniger Lebensmittelverlusten

Verpackungen im Bereich frischer Erzeugnisse neu denken

Verpackungen für frische Erzeugnisse werden oft als Nachhaltigkeitsproblem betrachtet, doch diese Sichtweise ist unvollständig. Sie sind jedoch auch ein entscheidendes Instrument zur Qualitätserhaltung und zur Vermeidung von Lebensmittelverlusten. Am ATB betrachten wir Verpackungen nicht als isoliertes Material, sondern als Teil eines komplexen Systems, das Produktphysiologie, Lagerbedingungen und Lieferketten umfasst. Diese Perspektive ist besonders relevant angesichts aktueller regulatorischer Entwicklungen wie der EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR). Frisches Obst und Gemüse sind biologisch aktive Systeme. Ihre Atmung, Feuchtigkeitsabgabe und Empfindlichkeit gegenüber Umgebungsbedingungen erfordern Verpackungslösungen, die über die reine Aufbewahrung hinausgehen. Verpackungen müssen die Produktstabilität von der Ernte bis zum Verzehr aktiv unterstützen.

Von Materialien zu Systemen in der Verpackung frischer Erzeugnisse

Ein Großteil der aktuellen Diskussion konzentriert sich auf den Ersatz herkömmlicher Kunststoffe durch alternative Materialien. Zwar bieten Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen, wie faserbasierte Strukturen, beschichtete Papiersysteme, Zellulosefolien oder PLA-basierte Materialien, vielversprechende Ansätze, doch hängt ihr Erfolg davon ab, wie sie sich unter realen Bedingungen bewähren. Am ATB konzentrieren wir uns darauf, Verpackungen als funktionales System zu verstehen, in dem Materialeigenschaften, Produktverhalten und Umgebungsbedingungen miteinander interagieren. Unsere Forschung umfasst:

  • experimentelle Untersuchungen unter realistischen Lagerbedingungen
  • sensorbasierte Überwachung von Temperatur, Feuchte, O2, CO2 und Ethylen
  • Modellierung von Produkt-Umwelt-Wechselwirkungen
  • Entwicklung von Verpackungskonzepten auf Systemebene

Dieser Ansatz ermöglicht es uns, Verpackungslösungen zu entwerfen, die auf bestimmte Produkte und Lieferketten zugeschnitten sind, anstatt uns auf einen generischen Materialersatz zu verlassen.

Die Lücke zwischen Innovation und Praxis schließen

In den vergangenen Jahrzehnten haben sich viele vielversprechende Verpackungskonzepte zwar im Labor bewährt, scheiterten jedoch unter realen Bedingungen in der Lieferkette. Hohe Luftfeuchtigkeit, Kondensation, Temperaturschwankungen und mechanische Beanspruchung stellen hohe Anforderungen, die oft unterschätzt werden. Unsere Arbeit schließt diese Lücke, indem wir Verpackungslösungen unter realistischen Bedingungen, einschließlich Kühl- und Transportbedingungen, validieren. So stellen wir sicher, dass Innovationen nicht nur technisch machbar, sondern in der Praxis auch robust und skalierbar sind.

Funktionalität, nachhaltige Verpackungen und das Ende der Lebensdauer

Nachhaltige Verpackungen lassen sich nicht allein anhand der Materialherkunft definieren. Eine Lösung muss:

  • das Produkt schützen und die Haltbarkeit gewährleisten
  • unter realen Bedingungen zuverlässig funktionieren
  • in bestehende Recycling- oder Entsorgungssysteme passen.

Aktuelle regulatorische Entwicklungen, wie beispielsweise die PPWR, legen großen Wert auf die Reduzierung von Verpackungsmengen und die Verbesserung der Recyclingfähigkeit. Diese Ziele sind zwar wichtig, müssen jedoch im Kontext des Gesamtsystems bewertet werden, einschließlich ihrer Auswirkungen auf den Produktschutz und auf Lebensmittelverluste. Es ist wichtig, zwischen der Herkunft des Materials und dem Verhalten am Ende der Lebensdauer zu unterscheiden: 
Ein Material kann aus nachwachsenden Rohstoffen stammen, ohne biologisch abbaubar zu sein. Biologisch abbaubare Materialien sind aber möglicherweise nicht immer mit bestehenden Abfallsystemen kompatibel. 
Ohne diese Systemperspektive können gut gemeinte Lösungen unbeabsichtigte Folgen haben, wie beispielsweise erhöhte Lebensmittelverluste oder Ineffizienzen beim Recycling.

Unsere Forschungsschwerpunkte

Unsere Arbeit befasst sich mit zentralen Herausforderungen bei der Verpackung von Frischprodukten:

  • Regulierung von Feuchtigkeit und Kondensation

  • Controlling des Gasaustauschs und von Schutzgassystemen (O₂, CO₂, Ethylen)

  • Verständnis der Wechselwirkung zwischen Verpackung und Produktphysiologie: Atmung und Transpiration

  • Integration von Sensoren und Echtzeitüberwachung 

  • Implementierung von Modellen und Digital-Twin-Ansätzen für Lagerung und Verpackung

Durch die Kombination experimenteller und digitaler Methoden wollen wir die Bedingungen, die die Produktqualität bestimmen, besser verstehen und kontrollieren.

Ausblick

Zukünftige Verpackungslösungen sollten über den einfachen Materialwechsel hinausgehen und zu integrierten Systemen führen, welche Materialdesign, Produktphysiologie und digitale Technologien miteinander verbinden. Nachhaltige Verpackungen für Frischeprodukte werden nicht allein durch das Material bestimmt, sondern davon, wie effektiv sie in der Praxis funktionieren.

Das Ziel ist es, Lösungen zu entwickeln, die:

  • funktional zuverlässig,
  • wirtschaftlich tragfähig,
  • über Lieferketten hinweg skalierbar und
  • mit bestehenden Recycling- und Abfallwirtschaftssystemen kompatibel sind.

Interesse an einer Zusammenarbeit?

Wir begrüßen die Zusammenarbeit mit Partnern entlang der gesamten Wertschöpfungskette für Frischprodukte, um Verpackungslösungen zu entwickeln und zu validieren, die in der Praxis funktionieren. Bitte zögern Sie nicht, uns für mögliche gemeinsame Projekte oder Forschungspartnerschaften zu kontaktieren.

Mehr zu unserer Forschung: AG Verpackung und Lagerung

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Themen-Expert*in

Dr Mahajan, Pramod

Arbeitsgruppenleiter: Verpackung und Lagerung


Abteilung: Systemverfahrenstechnik

E-Mail: PMahajan@spam.atb-potsdam.de

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