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Foto: ATB

Forschen im Zeichen der Baumblüte: einfach „SmaArt“

SmaArt Forschung in Aktion (Foto: Gebbers/ATB)

SmaArt Forschung in Aktion (Foto: Gebbers/ATB)

In einer Erwerbsobstanlage in Glindow bei Werder an der Havel führen ATB-WissenschaftlerInnen im Projekt "SmaArt" derzeit Versuche zur sensorgestützten, mechanischen und adaptiven Blüten-Ausdünnung in der Apfelproduktion durch. 

Die Ausdünnung von Blüten ist eine der wichtigsten Maßnahmen im Obstbau, um Äpfel von gleichmäßig guter Qualität zu produzieren.

Das Foto zeigt einen Traktor mit optischer Messtechnik in der Obstanlage. Der am Traktor montierte Mast trägt ein Messsystem, das mit vier Kameras bestückt ist. Zwei davon sind Stereokameras. Sie dienen zum Vermessen der Apfelbäume während der Fahrt. Insbesondere sollen mit ihrer Hilfe Apfelblüten gezielt an Einzelbäumen gezählt werden, um diese für jeden Baum bedarfsgerecht bis zu einem optimalen Blütenbesatz zu reduzieren. 

Einige wirtschaftlich bedeutende Apfelsorten, z. B. 'Elstar', zeigen starke Ertragsschwankungen, die durch natürlich alternierenden Blütenansatz im zweijährigen Rhythmus auftreten. Zu viele Blüten führen jedoch dazu, dass viele kleine Äpfel von schlechter Qualität heranwachsen. Im nächsten Jahr kann der Baum dann nur noch wenige Blüten und Äpfel tragen. Durchbrechen lässt sich dieser Zyklus durch das Entfernen überzähliger Blüten. 

Die Blütenausdünnung kann mechanisch vorgenommen werden, z.B. mit Hilfe des weltweit verbreiteten Systems DARWIN. Das System besteht aus einer an einen Schlepper angebauten senkrechten Spindel, bestückt mit  60 cm langen Kunststofffäden. Die rotierende Spindel wird entlang der Baumreihe geführt, wobei die Fäden einen Teil der Blüten vom Baum schlagen. Allerdings bleibt dabei bisher die baumindividuelle Blütendichte unberücksichtigt. 

Ziel des Projekts „Sensorgestützte, mechanische und adaptive Blüten-Ausdünnung in der Apfelproduktion – SmaArt“ ist die Entwicklung eines kameragestützten Systems, das eine automatisierte, baumspezifische mechanische Blütenausdünnung im Erwerbsobstbau ermöglicht: So lassen sich Ertragsschwankungen reduzieren, bei gleichzeitiger Erhöhung des Anteils vermarktungsgeeigneter Fruchtgrößen. 

Aktuell ist „SmaArt“ im zweiten Projektjahr. Im Projekt arbeiten Partner aus Wirtschaft (CiS-GmbH Bentwisch, CLK GmbH Münster, Fruit-Tec Deggenhausertal) und Wissenschaft (ATB Potsdam, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR Bonn, Stiftung Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee Ravensburg-Bavendorf) zusammen. Koordinator ist das ATB.

Die Förderung des Projekts erfolgt im Rahmen des Programms "Deutsche Innovationspartnerschaft Agrar (DIP)" mit Unterstützung der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aus Mitteln des Zweckvermögens des Bundes bei der Landwirtschaftlichen Rentenbank. 

Kontakt: 

Das Projekt „SmaArt“ ist Nachfolger des Anfang 2012 beendeten F&E-Vorhabens "Sensorgestütztes Verfahren zur Erkennung geometrischer und physiologischer Kenngrößen und deren Modellierung für eine angepasste Bewirtschaftung mehrjähriger Phytosysteme – OptiThin“. Im ebenfalls über die BLE geförderten Vorläuferprojekt wurden konzeptionelle Lösungen für ein integriertes System zur sensorgestützten, einzelbaum-spezifischen Blütenausdünnung bei Obstbäumen untersucht. Die einzelnen Komponenten des Systems lagen im Ergebnis als Prinziplösungen vor, die Umsetzungskonzepte wurden im ersten Versuch evaluiert.