Wie können Tierwohl und Tiergesundheit, Klima- und Umweltschutz sowie eine wirtschaftlich tragfähige Nutztierhaltung gemeinsam weiterentwickelt werden? Auf der 17. Tagung „Bau, Technik und Umwelt in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung“ (BTU) diskutierten vom 15. bis 17. September rund 130 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Landwirtschaft, Wirtschaft, Beratung und Verwaltung am Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) in Potsdam über innovative Lösungen für die Nutztierhaltung der Zukunft.
Die Nutztierhaltung steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Eine sichere und hochwertige Lebensmittelversorgung muss mit steigenden Anforderungen an Tierwohl und Tiergesundheit, Klima- und Umweltschutz, Ressourceneffizienz und Wirtschaftlichkeit in Einklang gebracht werden. Gleichzeitig stellen zunehmende Hitzeperioden, neue Anforderungen an die Biosicherheit und der notwendige Umbau von Haltungssystemen die Landwirtschaft vor zusätzliche Herausforderungen. Gefragt sind deshalb integrierte Lösungen, bei denen bauliche Konzepte, innovative Technologien und das biologische Verständnis der Tiere ineinandergreifen. Genau hier setzte die BTU 2026 mit mehr als 60 Fachbeiträgen an.
Ein Schwerpunkt lag auf neuen Ansätzen zur Erfassung und Minderung von Ammoniak- und Treibhausgasemissionen aus der Tierhaltung. Vorgestellt wurden unter anderem innovative Stall- und Bodenkonzepte, Verfahren zum Güllemanagement und zur Kot-Harn-Trennung sowie unterschiedliche Ansätze zur Minderung von Methan- und Ammoniakemissionen. Dabei wurde deutlich, dass Emissionsminderung, Tierwohl, Tiergesundheit und Stallklima nicht isoliert voneinander betrachtet werden können.
Intensiv diskutiert wurden auch digitale Assistenzsysteme und das sogenannte Precision Livestock Farming. Sensoren, Kamerasysteme und zunehmend KI-basierte Verfahren ermöglichen es, Tierverhalten, Tiergesundheit, Stallklima und Emissionen kontinuierlich zu erfassen. Entscheidend ist jedoch, aus den wachsenden Datenmengen verlässliche Informationen und daraus konkrete Managemententscheidungen abzuleiten. Unter dem Titel „Vom Sensor zur Entscheidung“ beschäftigten sich die Teilnehmenden bereits zum Auftakt in einem praxisnahen Workshop mit dieser Herausforderung. Eine Fachexkursion zu Gut & Bösel ergänzte das Programm um den unmittelbaren Blick in die landwirtschaftliche Praxis.
Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Biosicherheit im One-Health-Kontext. Prof. Dr. Dres. h. c. Thomas C. Mettenleiter stellte in seiner Keynote die enge Verbindung zwischen Tiergesundheit, menschlicher Gesundheit und Umwelt heraus. Fachbeiträge zu Biosicherheit, Bioaerosolen, Antibiotikaresistenzen und Dekontaminationsverfahren vertieften diese Perspektive. Die zweite Keynote von Gregor Beckmann, Geschäftsführer der Lely Deutschland GmbH und Cluster Manager DACH, richtete den Blick auf Innovation als Schlüssel für die Milchproduktion der Zukunft und die Möglichkeiten von Automatisierung und Digitalisierung.
Prof. Dr. Thomas Amon, Abteilungsleiter und Sprecher des Programmbereichs „Individualisierte Tierhaltung“ am ATB sowie Vorsitzender des Programmausschusses der BTU 2026, zieht ein positives Fazit: „Die Tagung hat sehr deutlich gezeigt, dass wir Tierwohl, Tiergesundheit, Umweltwirkungen und Wirtschaftlichkeit nicht getrennt voneinander optimieren können. Wir brauchen integrierte Lösungen für komplexe Systeme. Digitalisierung, Sensorik und Künstliche Intelligenz eröffnen dafür neue Möglichkeiten. Technologie ist aber kein Selbstzweck. Sie muss einen konkreten Mehrwert für das Tier, für den Menschen, für die Umwelt und für den landwirtschaftlichen Betrieb schaffen.“
Hintergrund
Die Fachtagung „Bau, Technik und Umwelt in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung“ (BTU) findet alle zwei bis drei Jahre an wechselnden Standorten statt und ist ein etabliertes wissenschaftliches Forum des Fachgebiets. Die 17. BTU fand vom 15. bis 17. September 2026 am Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie e. V. (ATB) in Potsdam statt. Mitveranstalter waren das Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e. V. (KTBL), die Max-Eyth-Gesellschaft Agrartechnik im VDI (VDI-MEG) und die European Society of Agricultural Engineers (EurAgEng).
Der Tagungsband mit den Fachbeiträgen sowie weitere Informationen zur BTU 2026 stehen unter www.btu-tagung.de zur Verfügung.
Kontakt
Prof. Dr. Thomas Amon
Telefon: +49 331 5699-510
E-Mail: tamon@atb-potsdam.de
Dr. Ulrike Glaubitz
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: +49 331 5699-820
E-Mail: presse@atb-potsdam.de