Unter dem Motto „Die blau-grüne Schnittstelle: Innovationen für smarte Wasserstrategien vom Hof bis zum Meer“ veranstalteten das Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) und das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) im Rahmen des Leibniz-Lab Systemische Nachhaltigkeit am 16. Januar 2026 ein Fachpodium während des Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) 2026. Das GFFA ist eine bedeutende Veranstaltung im Rahmen der Grünen Woche, die Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammenbringt, um Lösungen für die zukünftige Ernährungssicherheit zu entwickeln. Das diesjährige übergeordnete Thema des diesjährigen Forums lautete „Wasser. Ernten. Unsere Zukunft”. In unserem Fachpodium wurde die Notwendigkeit betont, ein Systemdenken über die Schnittstellen von Land, Wasser und Meer hinweg zu etablieren sowie blaue und grüne Bioökonomie-Lösungen als integrierten Innovationsraum zu betrachten.
Gemeinsam diskutierten Teilnehmende mit den beiden Keynote-Sprechern Jörn Schmidt (WorldFish) und Prof. Ranvir Singh (Massey University, Neuseeland) sowie den Podiumsgästen Dr. Julio Palhares (Embrapa Southeast Livestock), Dr. Lara Stuthmann (ZMT), Dr. Katrin Drastig (ATB) und Prof. Ranvir Singh über Innovationen und Notwendigkeiten intelligenter Wasserstrategien.
Um Wasser weltweit besser zu nutzen, wurden vier konkrete Ansätze diskutiert:
- Globale Wasserdaten angleichen: Die Messwerte für Wasser sollten international standardisiert werden, mit dem Ziel, die Zusammenarbeit und Planung, die von Organisationen wie der FAO unterstützt werden, zu erleichtern.
- Bildung regionaler Gruppen: Lokale Arbeitsgruppen sollen gemeinsam die Wassernutzung, den Wasserbedarf und die Auswirkungen auf die Unterläufe entlang eines Wasserlaufs diskutieren, um eine faire Koordination von Wassernutzung und Auswirkungen zu erreichen.
- Qualität vor Menge: Umstellung auf ergebnisrelevante Indikatoren für Ernährungssicherheit und Nachhaltigkeit, wie z. B. „Nährwert pro Tropfen“ statt „Ertrag pro Tropfen“.
- Nachhaltige Lebensmittel: Die Forschung an neuen Nahrungsquellen wie Algen oder essbarem Seegras als Teil ressourceneffizienter Strategien für blaue Lebensmittel sollte intensiviert werden.
Die Diskussionsteilnehmenden betonten wiederholt, dass die Einführung und Skalierung oft weniger durch fehlende Innovationen als vielmehr durch „Last-Mile“-Barrieren blockiert werden. Unzureichende Kommunikation und Koordination zwischen den Akteuren sowie Innovationskonzepte, die die Realitäten vor Ort nicht vollständig widerspiegeln, wurden als Herausforderungen benannt. Auch der Mangel an standardisierten Daten und Messgrößen erschwert den Vergleich von Ergebnissen und somit die Umsetzung politischer Investitionsentscheidungen. Schließlich wurde in der Diskussion eine anhaltende Lücke in der Kommunikation zwischen Wissenschaft und Praxis hervorgehoben. Forschungsergebnisse werden nicht konsequent so aufbereitet, dass sie für Praktiker überzeugend und umsetzbar sind.
Die Podiumsteilnehmerinnen und -teilnehmer sprachen sich nachdrücklich dafür aus, dass sich die verschiedenen Interessengruppen systematischer engagieren sollten. Das Podium definierte daraufhin mögliche Interessengruppen:
- private Unternehmen: Aufgrund ihres Einflusses in globalen Wertschöpfungsketten und ihrer Rolle bei der Ermöglichung (oder Blockierung) der Einführung durch Standards, Beschaffung und Investitionen bestimmen sie mit.
- Ressourcennutzer innerhalb von Einzugsgebieten: Sie entscheiden letztlich über die lokale Machbarkeit und Einhaltung.
- Jugendliche und junge Praktiker: Sie sind wichtige Akteure für die Umsetzung und Erprobung.
- Journalisten und Kommunikatoren: Sie verbreiten bewährte Verfahren und wissenschaftliche Fortschritte auf zugängliche und glaubwürdige Weise.
Moderatorin Sophia Lüttringhaus, Projektkoordinatorin des Leibniz-Lab Systemische Nachhaltigkeit am ATB, fasste die Diskussionen mit dem Publikum wie folgt zusammen: „Die wichtigste strategische Erkenntnis unserer Diskussionen ist, dass blaue Lebensmittel und damit die blaue Bioökonomie als integraler Bestandteil von Lebensmittelsystemen behandelt werden müssen. Zudem wurde deutlich, dass wirksame Wasserstrategien eine funktionierende Governance und geeignete Messgrößen erfordern, die die landbasierte Produktion mit aquatischen Systemen verbinden. In der Fragerunde betonten die Teilnehmenden die Bedeutung lokaler institutioneller Kapazitäten und wiesen darauf hin, dass große internationale Institute zwar frühzeitig beim Aufbau von Kapazitäten helfen können, Erfolge aber letztlich davon abhängen, ob die vorausgesetzten Fähigkeiten vor Ort bereits vorhanden sind.
Impulsvortragende und Podiumssprecher*innen:
- Jörn Schmidt (WorldFish)
- Prof. Ranvir Singh (Massey University, Neuseeland)
- Dr. Julio Palhares (Embrapa Southeast Livestock)
- Dr. Lara Stuthmann (ZMT)
- Dr. Katrin Drastig (ATB)
- Dr. Sophia Lüttringhaus (ATB / Leibniz-Lab „Systemische Nachhaltigkeit”)
Das Fachpodium kann auf dem Youtube-Kanal des BMLEH nachgeschaut werden:
Hintergrund
Das Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) ist eine bedeutende, jährliche Veranstaltung, die Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammenbringt, um Lösungen für die zukünftige Ernährungssicherheit zu entwickeln. Das ATB organisierte in diesem Jahr gemeinsam mit dem ZMT ein Fachpodium unter dem Titel “The Blue-Green Nexus: Innovations for Smart Water Strategies from Farm to Sea”.
Kontakt:
Dr. Sophia Lüttringhaus
Projektkoordinatorin
Telefon: +49 331 5699-841
E-Mail: sluettringhaus@atb-potsdam.de
Dr. Ulrike Glaubitz
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: +49 331 5699-820
E-Mail: presse@atb-potsdam.de