Wie sichern wir Europas technologische Souveränität und treiben gleichzeitig einen gesellschaftlichen und ökologischen Wandel voran? Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Europa-Büros der Leibniz-Gemeinschaft versammelten sich am 1. September 2026 rund 150 geladene Stimmen aus Politik, Industrie und Wissenschaft in Brüssel. Das ATB zeigte dabei auf dem Podium wie auch in einer begleitenden Ausstellung, welche zentrale Rolle bioökonomische Innovationen für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands und Europas spielen.
Unter dem Leitmotiv „Theoria cum praxi: Wettbewerbsfähigkeit, Souveränität und Gesellschaft im Wandel. Wie stärkt Forschung Europas Zukunft und Zusammenhalt?“ feierte das Europa-Büro der Leibniz-Gemeinschaft sein 20-jähriges Bestehen in der Vertretung des Landes Baden-Württemberg bei der Europäischen Union. Nach der Begrüßung durch Leibniz-Präsident Christoph M. Schmidt und Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Petra Olschowski sowie einer Keynote von Prof. Dr. Irene Bertschek (ZEW) diskutierte Prof. Dr. Barbara Sturm, Wissenschaftliche Direktorin des ATB und Vizepräsidentin der Leibniz-Gemeinschaft, auf dem zentralen Podium.
Gemeinsam mit Dr. Christian Ehler (MdEP), Prof. Dr. Gerhard Kahmen (IHP) und Dr. Claire Skentelbery (EuropaBio) diskutierte Prof. Dr. Barbara Sturm, Wissenschaftliche Direktorin des ATB und Vize-Präsidentin der Leibniz-Gemeinschaft, wie Forschung die Zukunft und den Zusammenhalt Europas festigen kann. Im Zentrum der Debatten stand die Frage, wie Innovationen ihren Weg in die Praxis finden – wirtschaftlich und international wettbewerbsfähig und demokratisch legitimiert. Ein begleitender Empfang gab Raum zum intensiven Austausch mit europäischen Entscheidungsträger*innen.
Prof. Barbara Sturm fasst die Gespräche zusammen: „Europa steht aktuell vor großen Herausforderungen. Um Wohlstand und Unabhängigkeit zu sichern, benötigen wir geschlossene Kreisläufe und nachhaltige wie resiliente Ernährungssysteme. Es bedarf einer verlässlichen technologischen Souveränität, die Wirtschaftskraft mit ökologischer Verträglichkeit und sozialer Verantwortung zusammendenkt. Wissenschaftliche Erkenntnisse müssen deshalb einen schnelleren und direkteren Weg in die europäische Gesetzgebung und Praxis finden, um Resilienz wirksam zu stärken.“
Ergänzend dazu machten 27 ausgewählte Leibniz-Institute ihre Spitzenforschung in einer thematischen Ausstellung für die Gäste direkt erlebbar. Das ATB brachte sich gleich mit zwei anschaulichen Exponaten ein, die zukunftsweisende Lösungsansätze der Agrartechnik und Bioökonomie demonstrierten:
- Präzisionsmonitoring im Grünland: Ein Exponat zur Biodiversitätsindikatorerkennung verdeutlichte, wie Forschende im Projekt DAKIS mithilfe von Drohnenaufnahmen und Künstlicher Intelligenz (KI) einzelne Grasland-Spezies auf den Feldern präzise identifizieren, um so die Biodiversität gezielt und automatisiert zu überwachen. Das Projekt wird durch das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V. koordiniert. ATB-Mitarbeiter Deepak Hanike Basavegowda konnte die Präsentation in Brüssel begleiten.
- Alternative Proteine und Bioressourcen: Koordiniert vom Leibniz-Institut für Gartenbauwissenschaften (IGZ) gaben die Partner aus dem Innovationsraum food4future – Nahrung der Zukunft unter dem Motto „Shaping the Future together“ Einblicke in neuartige marine Kreisläufe und Ressourcennutzungen. Ein Algenreaktor veranschaulichte, wie Makroalgen unter kontrollierten Bedingungen kultiviert werden können und die die Mixed-Reality-Anwendung „Food Visions“ machte zukünftige Ernährungsszenarien im VR-Raum erlebbar.
Beide Projekte sind durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen der Förderlinie „Agrarsysteme der Zukunft“ gefördert. Der gemeinsame Auftritt machte die thematische Bandbreite der Forschungsprojekte sichtbar.
Wir gratulieren der Leibniz Gemeinschaft und dem Team des Brüsseler Büros herzlich zum 20-jährigen Jubiläum. Es war eine Bereicherung und Freude, diesen inspirierenden Festakt mitgestalten zu können und drängende Zukunftsfragen vor Ort zu diskutieren. Wir freuen uns sehr auf die weitere Zusammenarbeit auf europäischer Ebene.