Die Arbeit des ATB zur Entwicklung biobasierter Materialien wurde im EU Innovation Radar als eine besonders vielversprechende Innovation gewürdigt. Diese Anerkennung erfolgt im Rahmen des EU-Projekts BIOMAC, das neue Wege ebnet, um nachhaltige Nanomaterialien aus der Forschung in die Anwendung zu bringen. Ziel war es, den oft schwierigen Übergang zu meistern und innovative Werkstoffe für die Praxis nutzbar zu machen.
Viele innovative biobasierte Materialien schaffen es nie vom Labor in den Markt. Der Grund dafür sind oft die hohen Risiken und enormen Kosten, die mit der Hochskalierung der Produktion verbunden sind. Diese Hürde, oft als „Tal des Todes“ bezeichnet, verhindert, dass vielversprechende nachhaltige Alternativen zu fossilbasierten Werkstoffen in die breite Anwendung kommen. Um die Bioökonomie voranzubringen, braucht es daher Infrastrukturen und Know-how, die diesen Übergang gezielt unterstützen.
Genau hier setzt die Expertise des ATB an. Als einer der Schlüssel-Innovatoren im Projekt betreibt das ATB eine Pilotlinie zur Verarbeitung von Biomasse. Die Forschenden des Instituts entwickeln und optimieren in der institutseigenen Pilotanlage für Biochemikalien Verfahren, um aus pflanzlichen Roh- und Reststoffen hochwertige Zwischenprodukte wie Lignin-Nanopartikel und Zellulose-Nanokristalle herzustellen. Diese nanostrukturierten, bio-basierten Materialien (kurz NBMs) bilden die Grundlage für neue Werkstoffe. Die Arbeit am ATB hilft damit ganz konkret, die Lücke zwischen wissenschaftlichem Konzept und industrieller Anwendung zu schließen.
Die Pilotlinie des ATB ist Teil eines europaweiten Netzwerks, das im Projekt BIOMAC als „Open Innovation Test Bed“ (OITB) aufgebaut wird. Dieses Testfeld bietet einen zentralen Zugangspunkt (Single Entry Point) zu insgesamt 17 vernetzten Pilotlinien entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Biomasse bis zum fertigen Produkt. So können Unternehmen neue biobasierte Lösungen entwickeln, testen und zur Marktreife führen, ohne selbst in teure Infrastruktur investieren zu müssen. Das senkt Entwicklungszeiten, Kosten und Risiken erheblich.
Das BIOMAC-Konsortium wird von der Aristoteles-Universität Thessaloniki koordiniert. In ihm arbeiten über 30 Partner*innen aus Forschung und Industrie zusammen, um Technologien für Branchen wie Verpackung, Agrartechnik, Bauwesen oder Automobilbau zu entwickeln. Durch die Anerkennung im EU Innovation Radar gewinnen die im Projekt entwickelten Ansätze - und damit auch die Arbeit des ATB - zusätzliche Sichtbarkeit für potenzielle Anwender*innen und Investor*innen.
Hintergrund zum Biomac
Das Projekt European Sustainable BIO-based nanoMAterials Community (BIOMAC) wird vom EU-Forschungsprogramm Horizon 2020 gefördert (Grant Agreement No 952941) und lief von Januar 2021 bis Juni 2025. Es wird von der Aristoteles-Universität Thessaloniki (Griechenland) koordiniert. Das Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) ist einer der zentralen Forschungspartner.
BIOMAC | European sustainable BIO-based nanoMAterials Community
Weitere Key-Innovationen des ATB im EU Innovation Radar
Die Anerkennung im EU Innovation Radar ist für das ATB bereits die zweite Würdigung. Zuletzt wurden die ATB-Entwicklungen im Projekt RES4LIVE als Schlüssel-Innovation aufgeführt. Hierbei entwickelten die Forschenden eine dezentrale Hoftankstelle, die Biogas aus Reststoffen wie Gülle direkt vor Ort zu hochwertigem Kraftstoff (Bio-CNG) aufbereitet. Landwirtschaftliche Betriebe können so ihre Traktoren fossilfrei betreiben und ihre Energieunabhängigkeit stärken. Der Innovation Radar stufte diese Technologie als technisch ausgereift („Tech Ready“) mit hohem Marktpotenzial ein. Die doppelte Auszeichnung unterstreicht die führende Rolle des ATB, wissenschaftliche Erkenntnisse erfolgreich in praxisreife und marktfähige Lösungen zu überführen.
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