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Mehr als nur Dämmung - Forschungsverbund gestartet

Hanffasern nach Aufschluss in der ATB-Pilotanlage (Foto: ATB)

1. Jan. 2017: Das ATB ist Partner in einem BMEL-geförderten Forschungsverbund, der mit Beginn des Jahres den Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen in den Fokus rücken wird. Ziel ist es, Dämmstoffen aus NawaRos den Weg in die Anwendung zu erleichtern.

Ganzheitliche Lösungen sind gefragt, wenn der Einsatz von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen signifikant gesteigert werden soll. Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen können erheblich zur Minderung von CO2-Emissionen und zur Umweltentlastung beitragen. In der Praxis sind sie aber bislang wenig verbreitet.  

Im Rahmen des Projekts werden mit den Aspekten Brandschutz und Glimmverhalten, Schallschutz, Wärmeschutz, Feuchteschutz, Emissionen und Nachhaltigkeitsanalyse die Einsatzpotenziale von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffe erstmals ganzheitlich betrachtet.

Die beteiligten Forschungspartner werden zum einen umfangreiche Materialkennwerte ermitteln, die helfen sollen, z. B. aufwändige Bauteilprüfungen im Schall- und Brandschutz zu reduzieren.  Darüber hinaus sollen echte Anwendungshemmnisse ausgeräumt werden. Die heute geltenden Normen und baurechtlichen Vorschriften entstammen zum Teil einer Zeit, als Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen noch wenig bekannt waren. Im Projekt geht es daher auch darum, normgerechte Messverfahren zu überprüfen und die Verfahren so weiter zu entwickeln, dass die spezifischen Eigenschaften von Dämmstoffen aus NawaRos bessere Berücksichtigung finden.  

Das ATB ist beteiligt am Teilvorhaben „Nachhaltigkeitsanalysen“. Für Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen stehen derzeit keine repräsentativen Ökobilanzdaten zu Verfügung. Ziel ist es, den potentiellen Zusatznutzen für nicht-Holz Dämmstoffe, also z. B. Hanf, Flachs, Schafwolle oder Seegras quantifizierbar aufzuzeigen. Zusammen mit der Universität Stuttgart wird das ATB die dafür benötigten Daten erheben und konsolidieren. Sie werden dann Planern und Architekten u. a. über die online-Datenbank Ökobaudat (www.oekobaudat.de) zur Verfügung stehen. 

Seit Jahren beforscht das ATB intensiv stoffliche Nutzungsmöglichkeiten nachwachsender Rohstoffe. Mit der ATB-Pilotanlage hat das ATB u. a. Verfahrenslinien der Aufbereitung und Verarbeitung von feucht konservierten Faserpflanzen entwickelt und bewertet. 

Kontakt ATB: Dr. Jörn Budde

Das Verbundvorhaben „Mehr als nur Dämmung - Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen (NawaRo-Dämmstoffe)“ wird gefördert im Rahmen des Förderschwerpunkts „Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen“ im Förderbereich „Stoffliche Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen“ des Förderprogramms „Nachwachsende Rohstoffe“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR). Die Gesamtfördersumme beläuft sich auf über 4 Mio. Euro bei einer Laufzeit von drei Jahren.

Partner im Verbund sind neben dem koordinierenden Fraunhofer-Institut für Holzforschung, Wilhelm-Klauditz-Institut WKI und dem ATB die Hochschulen Rosenheim und Magdeburg-Stendal, die Technischen Universitäten Braunschweig und Dresden, die Universität Stuttgart, die Physikalisch-Technische Bundesanstalt und das Materialprüfungsamt Nordrhein-Westfalen, das Institut für Holztechnologie Dresden gGmbh, die Papiertechnische Stiftung. Zudem sind zahlreiche namhafte Unternehmen und Verbände der Branche in die Forschungsarbeit eingebunden.