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GFFA-Forum zu Digitalisierung und Lebensmittel-Wertschöpfungsketten

Die PanelistInnen und OganisatorInnen des GFFA-Fachpodiums (von links): Prof. Dr. Reiner Brunsch (Sprecher LFV LE), Dr. Vera Tekken (Koordinatorin LFV LE), Terry Martin (Moderation, DW), Prof. Dr. Cornelia Weltzien (ATB), Sian Thomas (UK Food Standards Agency), Shivani Kannabhiran (OECD), Prof. Dr. Hermann Lotze-Campen (PIK), Diane Taillard (GS1 Global Office) und Dr. Frank van Tongeren (OECD). (Foto: Gwen DeBoe)

18. Jan. 2019: Gemeinsam mit der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat der Leibniz-Forschungsverbund „Nachhaltige Lebensmittelproduktion und gesunde Ernährung“ im Rahmen des Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) ExpertInnen aus Wissenschaft und Politik eingeladen, um aktuelle Entwicklungen und Handlungsbedarfe einer zukunftsfähigen Lebensmittelproduktion kritisch zu diskutieren. 

Mehr als 130 internationale Gäste des GFFA folgten der Podiumsdiskussion zum Thema „Digitale Technologien für Lebensmittel-Wertschöpfungsketten: Potentiale und Hemmnisse“. Vor dem Hintergrund der vielfältigsten Potentiale, welche die Digitalisierung für eine größere Nachhaltigkeit und Transparenz entlang der Lebensmittel-Wertschöpfungsketten eröffnet, widmeten sich die ExpertInnen insbesondere Fragen zum effektiven Einsatz digitaler Technologien zur Umsetzung und Verbesserung von Nachhaltigkeit und Transparenz in allen Abschnitten und Bereichen der Wertschöpfungskette from farm to fork sowie zu den dafür notwendigen gesellschaftlichen, u. a. regulatorischen, ethischen und ökonomischen Rahmenbedingungen. 

In seinem Eröffnungs-Statement beschrieb Prof. Dr. Reiner Brunsch, Sprecher des Leibniz-Forschungsverbunds, die Erwartungen an die Veranstaltung: Ziel des diesjährigen Fachpodiums sei die Skizzierung konkreter Handlungserfordernisse, die es ermöglichten, durch die neue Quantität und Qualität von Informationen einer transparenten und nachhaltigen wissensbasierten Bioökonomie einen Schritt näher zu kommen. Er warnte zugleich, dass trotz der momentanen Euphorie über die vielfältigsten Potentiale der Digitalisierung nicht übersehen werden dürfe, dass wichtige Fragen bislang nicht beantwortet sind. „Die Wissenschaft als neutraler Akteur sollte eine zentrale Rolle bei der Erarbeitung von Handlungserfordernissen einnehmen,“ forderte Brunsch.  

Prof. Dr. Cornelia Weltzien, ATB, richtete das Augenmerk auf das Zusammenwirken von Mensch und Maschine. Digitale Technologien seien nur dann geeignete Werkzeuge zur Gewährleistung maximaler Effizienz und Nachhaltigkeit beispielsweise im Hinblick auf bedarfsgerechte Lebensmittelproduktion und -vermarktung, wenn die an sich neutrale Technik entsprechend „ausgerichtet“ werde. Auch könne das  Ziel, „konkrete Handlungsanweisungen über digitale Technologien zu erhalten“, nur erreicht werden, wenn die Interaktion zwischen Mensch und Maschine intuitiv erfolge.
Akuten Handlungsbedarf sieht die ATB-Wissenschaftlerin in der Schließung der zum Teil erheblichen Lücken zwischen Datengewinnung und Wissensmanagement. Hierfür solle insbesondere der Ausbau notwendiger Infrastrukturen wie das 5G-Netz durch die öffentliche Hand vorangetrieben werden. „Letzteres deshalb, weil der ländliche Raum nicht von der Digitalisierung profitieren wird, wenn der Infrastrukturausbau ausschließlich von wirtschaftlichen Interessen vorangetrieben wird“, so Weltzien.  

Eine große Herausforderung bestehe in der Vermeidung einer Marktkonzentration von Anbietern digitaler Technologien, hob Prof. Dr. Hermann Lotze-Campen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hervor. Dies könne für die NutzerInnen im Landwirtschaftsbereich zu Abhängigkeiten von Technologieanbietern führen. 

Um dies zu vermeiden, bedürfe es Steuerungsmechanismen, die eine gemeinsame Vorgehensweise verschiedenster Akteure unterstützen, so Dianne Taillard vom GS1 Global Office. Eine „kooperative Vorgehensweise verschiedenster Akteure ist notwendig, damit trotz ansteigender Komplexität innerhalb der Wertschöpfungsketten Transparenz und Interoperationalisierbarkeit von Daten und Informationen aber auch von IT-Lösungen gewährleistet werden können. Die möglichen Vorteile digitaler Technologien hängen im großen Maße von den lokalen Bedingungen, einer gemeinsamen Ebene der Kommunikation, bzw. einer gemeinsamen Sprache hinsichtlich der genutzten Tools und den jeweiligen Zugängen zu Technologien ab", so Taillard. 

Einer Rahmensetzung bedürfe es allerdings nicht nur bei technischen Aspekten wie der Überwindung sektoraler Schranken bei der Zusammenführung von Informationen in eine gemeinsame Datenstruktur,  sondern auch bei der Gewährleistung von Datenschutz und Eigentümerrechten, ergänzte Lotze-Campen. 

Auch Sian Thomas von der UK Food Standards Agency hob hervor, dass es äußerst wichtig sei, über Ländergrenzen hinweg gemeinsam an der Entwicklung internationaler Standards und regulatorischer Rahmenbedingungen zu arbeiten, um eine effektive und nachhaltige Umsetzung der Möglichkeiten digitaler Technologien auch global gewährleisten zu können. „Um der Komplexität gerecht werden zu können, die eine Überwachung der Einhaltung gesetzlicher Auflagen mit sich bringen würde, könnten zukünftig Blockchain-Technologien eine wichtige Rolle spielen“, so Thomas.  

Die Verantwortung für die Entwicklung von Prinzipien und Standards für Unternehmen sowie deren konsequente Überwachung („Due Dilligence“), verortete Shivani Kannabhiran (OECD) gleichermaßen in Wirtschaft und Politik. Wichtig sei eine zügige Entwicklung und Umsetzung international akzeptierter Standards für verantwortungsbewusstes unternehmerisches Handeln im Bereich der Lebensmittel-Wertschöpfungsketten. Dazu gehöre auch die Bereitstellung von Open-Source-Lösungen, um Algorithmen transparent zu machen. Es gelte zudem, die Forschung zu weiteren Pionier-Technologien voranzutreiben, um künftig alle Aspekte der komplexen Wertschöpfungskette berücksichtigen zu können, u. a. die Rückverfolgung im Handel und Formen ‚moderner Sklaverei‘.

Digitalisierung in Lebensmittel-Wertschöpfungsketten eröffnet der Agrar- und Ernährungswirtschaft neue und vielfältige Potentiale. Aus gesellschaftlicher und wissenschaftlicher, vor allem aber aus einer globalen Perspektive, gibt Prof. Dr. Hermann Lotze-Campen zu bedenken, müsse es ein Kernanliegen sein, Lösungen zu finden, „wie digitale Technologien in der Landwirtschaft und darüber hinaus dazu beitragen, Treibhausgas-Emissionen zu mindern, Ressourcen effizienter zu nutzen sowie die Umsetzung der Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen zu realisieren“. 

Um die vielfältigen Potentiale der Digitalisierung in der Lebensmittel-Wertschöpfungskette optimal, transparent, nachhaltig und fair zu nutzen, sei es unabdingbar, dass Stakeholder von der Primärproduktion bis hin zum Konsumenten zusammenarbeiten, um mit Hilfe digitaler Technologien zukunftsfähige Lösungen zu finden und vor allem umzusetzen.  

Organisatoren

Leibniz-Forschungsverbund “Nachhaltige Lebensmittelproduktion und gesunde Ernährung (LFV LE)
Bereits 2016 wurde auf Initiative von WissenschaftlerInnen des LFV LE die „Innovationsinitiative Landwirtschaft 4.0“ ins Leben gerufen, die sich interdisziplinär mit Aspekten fortschreitender Digitalisierung in allen Bereichen der Lebensmittel-Wertschöpfungskette befasst, unter anderem mit Fragen zu gesellschaftlicher Teilhabe.

Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)
Im Rahmen eines umfassenden Arbeitsprogramms zur Digitalen Wirtschaft laufen zum Thema Digitalisierung in Landwirtschaft und Ernährung zahlreiche Initiativen, z. B. sektorübergreifend zur Frage des Potentials dieser neuen Technologien im Kontext von OECD-Leitlinien zu Due-Diligence.

Kontakt
Dr. Vera Tekken - Koordinatorin Leibniz-Forschungsverbund „Nachhaltige Lebensmittelproduktion & gesunde Ernährung“
Tel.: 0331 5699 854 -  E-Mail: vtekken@atb-potsdam.de 

 
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