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[ Statusseminar
2003 ]
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NACHLESE ZUR VERANSTALTUNG
Eine Forderung an die moderne Agrartechnik ist es, zukunftsweisende Lösungen für die verbesserte Umweltverträglichkeit der Produktionsverfahren bereitzustellen, für eine nachhaltige Landwirtschaft und im Sinne eines integrierten Umweltschutzes. Gleichzeitig erwartet die Gesellschaft von der Landwirtschaft die Erzeugung qualitativ hochwertiger Agrarprodukte bei noch höherer Sicherheit für den Verbraucher. Hieraus ergibt sich weiterer Innovationsbedarf, auch um beispielsweise den Anforderungen aus der Produkt- und Umwelthaftung besser gerecht zu werden.
Unter dem Titel HIGH-TECH INNOVATIONEN FÜR VERFAHRENSKETTEN DER AGRARPRODUKTION veranstaltete das Institut für Agrartechnik Bornim e.V. (ATB) am 29. und 30. September 2003 ein Statusseminar zum produktionsintegrierten Umweltschutz in der Landwirtschaft. Eingeladen wurde in den zentral gelegenen, modernen Sitz der Industrie- und Handelskammer Potsdam. Ziele des Seminars waren neben der Präsentation entsprechender Forschungsarbeiten das Identifizieren von zukünftigem Forschungsbedarf sowie die weitere Vernetzung der Forschungsaktivitäten.
Den etwa 120 TeilnehmerInnen wurden 30 Vorhaben aus den Bereichen Pflanzenbau, Tierhaltung und Nachernte mit Fachvorträgen, Postern und Exponaten präsentiert. Key Notes führten in die genannten Teilbereiche ein und zeigten zukünftige Anforderungen sowie weiteren Forschungsbedarf auf.
Die präsentierten Vorhaben stellen vielfältige Lösungen für die Umweltentlastung sowohl in den klassischen Bereichen der Landwirtschaft, als auch in neueren Bereichen wie der Bioverfahrenstechnik und der Mikrobiologie vor. Ihnen gemeinsam ist ihr Beitrag zu einer ökologisch wie auch ökonomisch sinnvollen Optimierung und Weiterentwicklung herkömmlicher Produktionsverfahren. Die Forschungsvorhaben werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Förderprogramm "Forschung für die Umwelt" zum Thema "Agrartechnik - Integrierter Umweltschutz in der Landwirtschaft" gefördert.
Ein Teil der Vorhaben wurde erst innerhalb des letzten Jahres begonnen, so dass neben ersten Teilergebnissen z.T. nur Zielstellungen vorgestellt werden konnten.
Von weiter vorangeschrittenen Vorhaben wurden erste Prototypen präsentiert, so zum Beispiel für die Erkennung von Unkräutern im Keimblattstadium, oder zur Prozesssteuerung von Biogasanlagen.
Mit mehreren Patentanmeldungen, einem Innovationspreis und einer weiteren Nominierung konnte eine positive Zwischenbilanz gezogen werden.
Vertreter des BMBF, des BMVEL sowie des Brandenburgischen MLUR formulierten ihre Erwartungen an die zukünftige Agrar- und Ernährungsforschung. Es wurde deutlich, dass die aktuelle Neuausrichtung der Agrarpolitik auch die Forschung vor hohe Erwartungen stellt. So werden die von der EU-Agrarpolitik vereinbarten Cross-Compliance-Regelungen, also der Übergang von produktionsgebundenen Förderungen zu umweltrelevanten Beihilfen, als wichtiges Instrument zur Umsetzung des Umwelt- und Verbraucherschutzes gewertet; diese bürden der Landwirtschaft aber auch weitere Lasten auf.
Vor diesem Hintergrund wurde die vorausschauende Initiative des BMBF im Jahr 1999 gewürdigt und die hohen Erwartungen an die Forschung bekräftigt. Eine deutliche Umweltentlastung durch die Landwirtschaft ist beispielsweise infolge ihres hohen Flächenanteils, und der erheblichen Stoffeinträge in die Umwelt von zentraler Bedeutung.
Hinsichtlich zukünftiger Fragestellungen wurde der erwartete Beitrag der agrartechnischen Forschung zu Qualität, Produktsicherheit und Wettbewerbsfähigkeit umrissen. Dieser ergibt sich zum einen aus der geforderten Rückverfolgbarkeit. Hierzu hat die die EU mit der Basisverordnung 178/2002 hohe Standards für eine durchgängige Prozesstufenkontrolle vorgegeben. Das Kontrollsystem muss dabei administrativ beherrschbar gestaltet sein. Zum zweiten nehmen im Zuge der WTO-Verhandlungen die Agrarsubventionen weiter ab. Die einheimische Landwirtschaft wird zunächst einen zunehmenden Wettbewerbs- und Preisdruck aushalten müssen. Außerdem verlangt und setzt die Gesellschaft sehr hohe Standards der Produktqualität und Sicherheit. Vor diesem Hintergrund kann ein Wettbewerbsvorteil deutscher Produkte nur auf der hohen Qualität der Erzeugnisse sowie auf dem Nachweis integrierter Produkt- und Sicherheitsketten basieren. Diese Aspekte spielen im Marketing eine große Rolle und werden häufig noch unterschätzt.
An verschiedenen Beispielen wurde deutlich, dass die aktuellen gesetzlichen Standards ohne Hightech kaum noch einzuhalten sind. Dies bestätigte sich bei den vorgestellten Projekten, bei denen zum Teil Aspekte der Qualität und Sicherheit bereits mit angelegt sind, zum Beispiel bei der Online-Erfassung der Getreideinhaltsstoffe im Mähdrescher.
Ein bestimmendes Element der regen Diskussionen war die Übertragbarkeit vorgestellter Teillösungen auf andere Problemfelder. Hier ergaben sich Ansätze für viele neue Vorhaben.
Diese werden zukünftig nach neuen Qualitätsparametern bewertet. Es werden moderne und aussichtsreiche Aufgabenstellungen der Forschung erwartet, welche gesamtheitliche, prozzessstufenübergreifende Fragestellungen berücksichtigen sowie nachhaltigkeitsorientierte und verbrauchergerechte Aspekte berücksichtigen. Hierbei kommt der Bildung einer integrierenden Plattform, eines Netzwerkes, besondere Bedeutung zu.
Auf dem Seminar wurden auch die Erwartungen und Ziele des Rahmenprogramms für Nachhaltigkeit (ProNa) skizziert, mit dessen Veröffentlichung durch das BMBF Anfang 2004 zu rechnen ist. Es wird ein Paradigmenwechsel hin zu stärker systemorientierten Fragestellungen erwartet, die mehrere Wertschöpfungsstufen beinhalten und Verbraucherbedürfnisse nach einer gesunden Ernährung mit der Entkoppelung von Wertschöpfung und Ressourcenverbrauch verbinden.
Die Veranstaltung schloss mit einer Podiumsdiskussion zu Fragen des zukünftigen Forschungsbedarfes und zur Konzeption einer übergreifenden Forschungsplattform mit dem Arbeitstitel "AgrartechnikPLUS".
Eine ausführliche Dokumentation der Veranstaltung wird zur Zeit erarbeitet und kann bei ATB
(atb@atb-potsdam.de) vorbestellt werden.
Eckart Kramer
Institut für Agrartechnik Bornim e.V.
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