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23. August 2006
Einweihung der Pilotanlage "Milchsäure aus Biomasse"
Im Beisein von Brandenburgs Agrar- und Umweltminister Dietmar Woidke (SPD)
sowie Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU) wurde eine Pilotanlage zur
Herstellung von Milchsäure aus Roggen am ATB in Potsdam-Bornim feierlich in
Betrieb genommen.
Nach einjähriger Bauzeit nahm damit die erste Bioraffinerie im Osten
Deutschlands den Betrieb auf. Mit der Anlage wird ein biotechnologisches
Verfahren realisiert, das eine effiziente Veredelung von Inhaltsstoffen aus
nachwachsenden Rohstoffen, z. B. Roggen, ermöglicht. Als Hauptprodukt wird
Milchsäure gewonnen, eine Basischemikalie, die als Geschmacksstoff,
Säuerungs- und Konservierungsmittel Anwendung findet, aber auch zu
umweltfreundlichen Lösungsmitteln oder biologisch abbaubaren Kunststoffen
weiterverarbeitet werden kann.
Ein neues, hier erstmals angewandtes Verfahren ermöglicht dabei eine bis zu
fünffach höhere Produktivität und damit konkurrenzfähige Herstellung von
hochreiner Milchsäure. Das "basic engineering" für die
kontinuierliche Prozessführung wurde am ATB gemeinsam mit Partnern aus
Industrie und Forschung entwickelt.
"Die Herstellung von Milchsäure ist dabei die erste Stufe eines
ganzheitlichen Konzeptes der stofflichen und energetischen Nutzung
nachwachsender Rohstoffe. Unser Ziel ist, Grundlagen für eine erhöhte
Wertschöpfung im ländlichen Raum zu schaffen und das Konzept regionaler
Stoffkreisläufe umzusetzen," so Prof. Reiner Brunsch, der
wissenschaftliche Direktor des ATB. Langfristiges Ziel ist, den Anteil
erneuerbarer Rohstoffe in der industriellen Stoffwandlung zu erhöhen.
Angesichts dramatisch steigender Ölpreise und der Verknappung fossiler
Ressourcen lassen sich mit Produktion und stofflicher Nutzung von Biomasse
zusätzliche Absatz- bzw. Wertschöpfungsmöglichkeiten im ländlichen Raum
erschließen. Das neue Verfahren eröffnet Möglichkeiten zur Schaffung
alternativer Einkommensquellen und zusätzlicher Arbeitsplätze im
ländlichen Raum.
Die Pilotanlage ist für Demonstrations- und Forschungszwecke mit einer
jährlichen Produktionsleistung von 10 t Milchsäure konzipiert. Sie dient
dazu, Forschungsergebnisse unter praxisnahem Bedingungen umzusetzen und für
die Anwendung in Großanlagen vorzubereiten. Zu den vordringlichen Aufgaben
zählt auch die Bereitstellung von Produktmustern für die spezifischen
Anforderungen der Weiterverarbeiter. Die neue Pilotanlage schafft die
infrastrukturelle Voraussetzung für die Bearbeitung weiterer
Forschungsansätze und festigt die anerkannt gute Stellung des ATB im
Bereich der Biomasseforschung.
Die Kosten für die neue Pilotanlage belaufen sich auf insgesamt 3,2 Mio.
Euro. Davon wurden 2,4 Mio. Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale
Entwicklung (EFRE) über die InvestitionsBank des Landes Brandenburg (ILB)
zur Verfügung gestellt. Das Land Brandenburg sowie das
Bundeslandwirtschaftsministerium übernehmen jeweils 12,5 Prozent der
Investitionssumme.
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