INSTITUT FÜR AGRARTECHNIK BORNIM e.V.Ein Institut der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz
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Potsdam, 04.12.2001
Nachwachsende
Rohstoffe für die industrielle Verwertung sind wieder gefragt. Naturfasern ersetzen nicht nur Produkte aus fossiler Energie, sondern bieten
auch die Vorteile der Naturprodukte gegenüber synthetischen Produkten wie
geringes Gewicht, Umweltverträglichkeit, hohe Festigkeit und problemlose Rückführbarkeit
in den natürlichen Stoffkreislauf.
Die Verwendung von Hanf-,
Flachs und Ölleinfasern ist daher für die Verarbeitung zu Bau- und Dämmstoffen,
zur Substitution von Glasfasern oder Kohlefasern in hochwertigen
Verbundwerkstoffen sowie zur Herstellung verschiedener Textilprodukte und
Geotextilien von aktueller Bedeutung. Bei Einsatz der Naturfasern für recyclefähige
Konstruktionsteile im Kraftfahrzeug-, Schienenfahrzeug- und auch im Flugzeugbau
können erhebliche Gewichtseinsparungen erreicht werden, die wiederum zur
Einsparung von Kraftstoff führen.
Während die Verfahren des
Anbaues der Naturfaserpflanzen, der Ernte und auch der Weiterverarbeitung in der
Industrie weitgehend gelöst sind, gibt es bisher noch erhebliche Probleme bei
der qualitätsgerechten und wirtschaftlichen Fasergewinnung aus Pflanzen.
Im Institut für
Agrartechnik Potsdam-Bornim wird in Kooperation mit der Kranemann
Gartenbaumaschinen GmbH daher eine komplette Technologie zur Fasergewinnung
entwickelt, von der Annahme der Ballen des Erntegutes bis zur
anforderungsgerecht gereinigten Naturfaser. Die Technologie basiert auf dem neu
entwickelten Prinzip des Prallaufschlusses.
Die separierten Bastanteile - Schäben - werden ebenfalls zu Baustoffen
oder Einstreu verwertet.
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Pilotanlage zur Fasergewinnung von Hanf, Flachs und Lein. |
Die Naturfaserpflanzen Hanf, Flachs und Leinen
werden mit einer Technologie verarbeitet, die sowohl für grüne als auch für
geröstete Faserpflanzen geeignet ist. Das Verfahren muss die Anforderungen an
die industrielle Herstellung großer Mengen von separierten, gereinigten Fasern
und Schäben in gleichbleibender Qualität erfüllen, die für eine möglichst
vielseitige Anwendung in der Industrie sowohl für Konstruktionsteile als auch für
Grobtextilien einsetzbar sind.
Die verfahrenstechnische Leistung der Maschinenlinie
beträgt bis 3 t/h. Die natürlich gewachsene Festigkeit der Fasern bleibt bei
dem praktizierten mechanischen Aufschluss weitgehend erhalten. Das entwickelte
Verfahren erstreckt sich über alle Stufen von der Annahme der Strohballen bis
zu den separierten versandfähigen Endprodukten Fasern und Schäben.
In der ersten Stufe werden die Strohballen aufgelöst.
Rotierende Messerscheiben schneiden aus den Strohballen definierte Sektionen von
einstellbarer Größe heraus. Die portionierten Sektionen fallen auf einen
darunter angeordneten Austragsförderer, der das Stroh horizontal aus der
Maschine herausfördert, bis hin zur nächsten Bearbeitungsstufe.
Es kann nicht vollständig ausgeschlossen werden,
dass die Strohballen teilweise Steine und metallische Fremdkörper enthalten. Um
die nachfolgenden empfindlichen Maschinen zu schützen, scheiden ein
elektromagnetischer Metallfänger die Stahlteile und eine speziell ausgebildete
Fallstufe die Steine ab. Gleichzeitig wird das Stroh aufgelockert zu einem
stetigen Förderstrom, der in einem Puffer zunächst zwischengelagert wird.
Anschließend liefert das Dosiersystem des Zwischenpuffers einen definierten, einstellbaren, stetigen Volumenstrom für die nachfolgenden Bearbeitungsmaschinen. Die Dosiergleichmäßigkeit ist sehr wichtig, um nachfolgend einen gleichmäßigen Bearbeitungseffekt zu sichern.
Eine
speziell hergerichtete Schneidemaschine schneidet in der nächsten Stufe das
Stroh in eine definierte Nennschnittlänge der Stängel, die im Bereich von 80
bis 200 mm einstellbar ist.
Dem
Schneiden folgt der Faseraufschluss durch Prallbeanspruchung. Die Fasern selbst
sind bis zu dieser Prozessstufe in den Stängeln geschützt, wodurch eine
mechanische Beschädigung und ein Abfall der natürlichen Faserfestigkeit
weitgehend vermieden werden. Die entwickelte Maschine sichert einen
hervorragenden und vollständigen Faseraufschluss und eine wirksame
Faserausbeute bis zu 28 % des Ausgangsmaterials bei einem Faserverlust von nur 1
bis 2 %. Gleichzeitig werden innerhalb dieser Maschine mehr als 50 % der Schäben
abgeschieden, die dann getrennt weiterbehandelt werden.
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Prof. Christian Fürll (2. v. re.) vom ATB und Vertreter des Naturfaserverbundes Brandenburg begutachten die teilweise gereinigten Hanffasern. |
Der
hervorragende Aufschlusseffekt der Maschine erleichtert wesentlich die
nachfolgende Faserreinigung. Dadurch werden die Intensität und aufwendige
Anforderungen an den Reinigungsprozess vereinfacht bei gleichzeitiger
Reduzierung der mechanischen Belastung der nun freiliegenden Fasern. Die Fasern
werden aus dem pneumatischen Förderstrom der Aufschlussmaschine mit einem
normalen Kondenser abgeschieden.
Das
Reinigen der Fasern erfolgt in zwei Stufen. Eine speziell entwickelte,
einstellbare Kammschüttel wird verwendet für eine wirksame und gutschonende
Grobreinigung der Fasern von den Schäben. Der verbleibende Schäbengehalt
in den Fasern ist kleiner als 5 %. Diese Faserreinheit ist bereits
ausreichend für eine Vielzahl industrieller Anwendungen.
Höhere
Reinheitsgrade werden nach einer zusätzlich nachgeschalteten zweiten
Bearbeitung mit einem Stufenreiniger
erreicht. Nach dieser Reinigungsstufe wird ein verbleibender Feinschäbengehalt
von durchschnittlich weniger als 2 % erwartet.
Eine
anschließende Karde öffnet die Fasern und verbessert die Faserstruktur sowie
die Verarbeitungsfähigkeit des erzeugten Fasernmaterials. Bei der Faseröffnung
ausfallende Restschäben werden noch separiert.
In
der letzten Stufe werden die Fasern mit einer üblichen Rechteckballenpresse zu
Quaderballen mit den Abmessungen 1,2
x 1,0 x 0,8 m für die Zwischenlagerung
oder den Transport geformt. Das Gewicht kann bis zu 150 kg je Ballen betragen.
Die
anfallenden Schäben von der Aufschlussmaschine, der Kammschüttel, dem
Stufenreiniger und in kleiner Menge von der Karde werden durch getrennte Zyklone
aus dem Luftstrom abgeschieden. Die Partikelgrößenverteilung dieser Schäben
erstreckt sich über einen großen Bereich. Die Schäben können auf
einer Siebanlage für verschiedene
Anwendungen in gewünschte Fraktionen bedarfsgerecht klassiert werden.
Feinanteile, anhaftender Staub, Samen und Reste von Blättern werden
gleichzeitig abgesiebt.
Die
schnell laufenden Maschinen erzeugen bei der Bearbeitung der trockenen
Faserpflanzen viel Feinstaub. Ein zentrales Absaugsystem sammelt die Abluft und
scheidet den Staub auf der Oberfläche einer Siebtrommelfilteranlage ab.
Der
Reststaubgehalt der Abluft beträgt danach weniger als 10 mg/m³. Der Feinstaub
wird direkt in Fässer oder Bigbags abgefüllt.
Die vollständige Verwertung aller Komponenten der Naturfaserpflanzen sichert die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens.
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Endprodukte aus Hanf und Flachs: Obere Reihe v. links: Hanffasern, 2 Wärmedämmplatten, Bauplatten in verschiedenen Stärken mit unterschiedlichen Dichten. Untere Reihe v. links: 2 Mattenmuster für PKW-Innenverkleidung, 3 Spritzgussteile mit Naturfasern für Kunststoffartikel, Schäben. |
Auf Anfrage senden wir Ihnen gerne die abgebildeten Fotos.
Ansprechpartner:
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Nutzung oder Veröffentlichung bitten wir um das Zusenden eines Belegexemplars
an folgende Adresse:
Institut für Agrartechnik Bornim e.V. (ATB)
Öffentlichkeitsarbeit
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