INSTITUT FÜR AGRARTECHNIK BORNIM e.V.
Ein Institut der
Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz
Potsdamn,
05.09.2001
Unter
dem Titel „Verbesserung der Umweltverträglichkeit landwirtschaftlicher
Produktionsverfahren durch Entwicklung innovativer Sensorik und Gestaltung der
Produktionsprozesse im Sinne eines integrierten Umweltschutzes“ wird durch das
BMBF ein „Pool-Projekt“ gefördert, in dem 12 Projekte
zusammengefasst sind. Deren Bearbeitung erfolgt in enger Kooperation mit über
20 Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die den High-Tech-Bereichen der
Steuer- und Regelungstechnik wie der Mikrosystem- und Sensortechnik, der
Informationstechnik und Programmierung zuzuordnen sind, oder die sich im Bereich
des Maschinenbaus und der Agrartechnik behaupten bzw. erfahrene Praxispartner
sind.
Dem ATB wurden für die Durchführung
7,3 Mio. DM bewilligt. 1,4 Mio. DM wurden Kooperationspartnern bewilligt. 16
Industriepartner bringen 2,0 Mio. DM eigene Mittel ein.
Die Zahlen dokumentieren die hohe
Wertschätzung, die das ATB bei seinen Partnern hat – und zeigen auch die große
Verantwortung, die mit den Vorhaben übernommen wurde.
Für zehn Teilprojekte ist der Erwerb
von Schutzrechten vorgesehen.
Kurzvorstellung der Einzelvorhaben
Mit drei der
12 Teilprojekte (TP) wird insbesondere ein Beitrag zur Entwicklung
innovativer Sensorik zur Unterstützung der teilflächenspezifischen
Bewirtschaftung, aber auch zur Automatisierung von Arbeitsgängen mit dem Ziel
einer effizienten und umweltgerechten Bewirtschaftung geleistet. Dies sind im
einzelnen:
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TP |
Titel |
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1 |
Entwicklung und Evaluierung eines
Sensors für die Pflanzenmasseerfassung zur Ertragskartierung sowie zur
teilflächenspezifischen Bestandesführung |
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2 |
Messsystem
zur Bewertung des Unkrautvorkommens |
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3 |
Optimierung
der Steuerung von modernen Beregnungsanlagen und die ökologische und ökonomische
Bewertung großflächiger Bewässerung |
Durch den Einsatz des Sensors für
die Pflanzenmasseerfassung werden Ertragssteigerungen von 1 - 2 dt/ha bei
Stickstoff-Einsparungen von 5 bis 15 % je Jahr erwartet. Dies verringert
Schadgasemissionen und Nitratversickerung.
Mit der Integration des Messsystems
zur Bewertung des Unkrautvorkommens in marktverfügbare
Pflanzenschutzmaschinen könnten etwa 3 200 t des jährlichen Herbizidverbrauchs
eingespart werden.
Eine Verbesserung der Einsatzsteuerung
von Beregnungsanlagen führt zur Verminderung des Wasserverbrauchs und des
Energieeinsatzes in der Wasserförderung und -ver-teilung. Ebenso werden Nährstoffverluste
durch Auswaschung verringert.
Mit sieben weiteren Vorhaben wird ein Beitrag zur Prozessgestaltung und
-steuerung mittels agrartechnischer Innovationen im Sinne eines integrierten
Umweltschutzes in den Bereichen Transport, Lagerung und Aufbereitung
landwirtschaftlicher Produkte geleistet:
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TP |
Titel |
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4 |
Miniaturisiertes
Datenerfassungs-System zum Implantieren in Früchte und zur Messung ihrer
mechanischen Belastung durch Ernte- und Nachernteverfahren |
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5 |
Optimierte
Steuerung von Getreide-Schachttrocknern |
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6 |
Anwendung
der Thermografie zur Optimierung der Belüftungssteuerung bei der
Lagerhaltung landwirtschaftlicher Produkte |
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7 |
Membranbioreaktor
zur Aufbereitung von Schlachthofabwässern |
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8 |
Entwicklung
von Waschdüsen für eine effiziente Wäsche von Gemüse und
Speisekartoffeln |
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9 |
Ozontes
Waschwasser zur Qualitätssicherung leichtverderblicher Produkte –
Entwicklung einer Fuzzy Logic-Steuerung des Waschprozesses |
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11 |
Prozesskontrolle der Qualität von frischem Obst und Gemüse mit Hilfe
eines Multigas-Sensors |
Durch den Einsatz eines miniaturisierten
Datenerfassungs-Systems können die Produktverluste von bis zu 30 % bei
frischem Obst und Gemüse wesentlich reduziert werden. Dies bedeutet eine
erhebliche Ressourcenschonung.
Mit der optimierten Steuerung
von Getreide-Schachttrocknern wird ein Beitrag zur Erhöhung der Gutqualität
und der Wirtschaftlichkeit der Getreidetrocknung bei drastischer
Energieeinsparung und minimierter Staubemission geleistet.
Eine innovative
Klimasteuerungstechnik kann in Verbindung mit freier konvektiver Lüftung
den Energieaufwand zur Klimasteuerung, z.B. eines 16 kt Kartoffellagers um
15000 - 30000 kWh, einsparen helfen. Dem entspricht eine Emissionsminderung
klimarelevanter Gase von 10 - 20 t CO2-Äquivalent je Jahr und
Lagerhaus.
Der Membranbioreaktor stellt
eine zukunftsträchtige Alternative zu konventionellen Verfahren der
Abwasserreinigung dar. Er wird feststofffreies und weitgehend keimfreies
aufbereitetes Abwasser abgeben. Es werden Grundlagenuntersuchungen zum Nachweis
der Funktion des Membranbioreaktors durchgeführt, die auch auf andere Anlagen
übertragbar sind.
Durch optimale Anpassung der Düsen
an den Waschauftrag ist zu erwarten, dass der Trinkwasserverbrauch beim
Waschen von Gemüse um 50% verringert werden kann.
Ozoniertes Waschwasser soll
zur Desinfektion von Gartenbauprodukten verwendet werden. Die dazu gehörige
Fuzzy-Steuerung wird im Vorhaben entwickelt. Auch werden Grundlagen, u.a. zur
Wirkung von Ozon auf Mikroorganismen und andere Pathogene untersucht.
Mit
Hilfe des neu zu entwickelnden Multigassensors wird über die Messung der
Stoffwechselaktivitäten von Früchten eine objektive Beurteilung ihrer Qualität
möglich sein. Die Nachernteverluste sowie die Gefahr des Zurückweisens von
Waren werden (einschließlich der Transporte) nachhaltig gemindert.
Der Thematik „Innovative
Echtzeitsensorik zur Bestimmung, Steuerung und Regelung der Produktqualität im
Produktionsprozess“ sind zwei Vorhaben zugeordnet:
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TP |
Titel |
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10 |
Entwicklung
eines Echtzeitsensors für die Stärkebestimmung bei Kartoffeln als
funktionaler Bestandteil eines optoelektronischen Verleseautomaten |
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12 |
Prozesssteuerung von Biogasanlagen mit Kofermentation |
Mit modernster Informations- und
Messtechnik können die Verluste an verwertbarer Kartoffelmasse um etwa
12 % gesenkt werden. Umweltbelastende Solbäder könnten entfallen und
die Kartoffeln einer eigenschaftsgerechten Verwertung zugeführt werden. Da das
Ergebnis sowohl für die gesamte Frischkartoffelaufbereitung als auch für die
gesamte Kartoffelveredlung nutzbar ist, könnte sich der Einspareffekt auf
insgesamt mindestens 5,8 Millionen Tonnen Speisekartoffeln allein in Deutschland
auswirken. Auch dies stellt einen bedeutenden Beitrag zur Ressourcenschonung
dar.
Unabhängig von der Gülleherkunft
wird im Vorhaben Prozesssteuerung von Biogasanlagen mit
Kofermentation eine Regelung zum Vermeiden der Versäuerung im
Fermentationsprozess entwickelt. Durch die Kombinationen von Gassensorenarrays
mit Mustererkennungsverfahren soll mit einem neu zu entwickelnden
Prozessmesssystem eine beginnende Versäuerung bei der gemeinsamen
Fermentation von Gülle mit anderen Abfallstoffen so früh wie möglich
erkannt und verhindert werden. Hierdurch lässt sich der Reaktionsabbruch in großen
Biogasanlagen zukünftig vermeiden.
Abschließend sei der „Antrag
auf Förderung der Koordinierung, Ergebnisdarstellung und –verwertung des
„Pool-Projektes“ genannt.
Informationen
zum ATB
Seit 1.1.2000 wurden dem ATB 21 Drittmittelvorhaben mit insgesamt 11,6
Mio. DM bewilligt, das letzte und bisher größte mit dem Zuwendungsbescheid des
BMBF-Projektträgers Jülich vom 06.07.01 für Mittel des BMBF in Höhe von 7,3
Mio. DM.
Die Zuwendung zum Verbundvorhaben versetzt das ATB in besonderem Maße in
die Lage, die nun geförderten Themen abzuschließen und den entstehenden
„Spielraum“ in der institutionellen Förderung für die Vorbereitung neuer,
mehr grundlagenorientierter Vorhaben zu nutzen.
Ansprechpartner:
Dr.-Ing. Eckart Kramer, Zentralabteilung
Tel: (0331) 5699-710, e-mail:
ekramer@atb-potsdam.de
Bei Nutzung oder Veröffentlichung bitten wir um das Zusenden eines
Belegexemplars an folgende Adresse:
Institut
für Agrartechnik Bornim e.V. (ATB)
Öffentlichkeitsarbeit
Max-Eyth-Allee 100, 14469 Potsdam
Tel: (0331) 5699-714; Fax: (0331) 5699-849